Hintergrundstories

Das Ossa-Virus oder, wie viele Windeln kostet ein Oldtimermotorrad?

Vor etwa 30 Jahren infizierte ich mich mit dem OSSA-Virus, das ist nicht unbedingt hochgradig ansteckend - aber wenn man den einmal hat, wird man ihn nicht mehr los - auch wenn der Befall noch nicht sichtbar ausgebrochen ist.


Ende der 1980er Jahre waren wir wieder einmal am Nürburgring bei einem Motorradlauf als Zuschauer gewesen.
Nach dem Ende der Hauptveranstaltung gab es als Nebenveranstaltung noch ein paar Läufe für die Amateure und Nachwuchsfahrer mit bezahlbarem Material.


Ein Motorradlauf hieß „Sound of Singles˝ - das Reglement mehr als überschaubar: Ein Motorrad mit 2 Rädern musste es sein und der Motor hatte einen einzigen Zylinder. Da fuhren dann auch die wildesten Eigenbauten mit, Crosser mit dickem Einzylinder 2-Takt Motor und eventuell einer Vordergabel, die eindeutig von einer BMW mit Scheibenbremse stammte. Manche waren wirklich skurrile Umbauten , aber durchaus flott unterwegs. Ein Motorrad fiel mir besonders auf, im Programmheft stand da: OSSA. Ach was, die war aber auch damals schon selten in Deutschland, kannte ich nur als gute Trial und Offroad-Maschinen. Dass OSSA Ende der 60er mal richtig wegweisend und erfolgreich in der Straßen-WM mitgefahren war, das wusste ich damals noch nicht. Die leichte Ossa ging richtig gut - Maschine und Fahrer hatten Talent. Beim Verfolgen des Renngeschehens der kleinen Maschine muss die Infizierung dann irgendwie, zunächst noch unbemerkt, geschehen sein. Aber sobald irgendwo auch weit später der Begriff OSSA zu hören war, hatte ich das Bild wieder vor Augen. diese Symptome waren aber noch aushaltbar und ohne Nebenwirkungen. Mit den Jahren wurde dann schon mal ohne wirkliches Ziel nach OSSA geschaut, das Internet existierte plötzlich und irgendwo im weit weit weg gab es sporadisch mal ein Angebot. Ende 2012 wurde die Suche etwas gezielter, abgeschätzt, wo in Europa das wohl sein möge - alles noch völlig ungeplant. Später wurde schon regelmäßig gesucht, ohne sich zu überlegen, was denn wäre, wenn man was finden sollte. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. 

In Ebay Deutschland wird ein kompletter Zylinder angeboten, dabei ein Bild von einer Maschine, wo der reinpassen sollte und der Hinweis, wenn man die Maschine auch haben möchte, sollte man Kontakt aufnehmen. Also mal angefragt, aber der Preis war doch zu hoch, da kamen wir nicht zueinander. Im Ebay Italien gab es eine Maschine, ziemlich runter geritten, aber günstig. Adresse war aber in Belgien, das ist ja fast schon zu gut, das liegt sehr nahe an der Grenze, nur 250 km entfernt?!!

 

Zeitgleich wird in England eine schöne OSSA angeboten, mit dem Verkäufer in Kontakt getreten, Preis, Zustand, was kostet die Lieferung nach Deutschland und kann er das organisieren? Er könnte, aber noch war das alles ja Spinnerei. Noch! Bei der deutschen Auktion auf den Zylinder geboten, bei der italienischen auf die ramponierte, fast komplette „Maschine“ mit Standort Belgien. Den Zylinder tatsächlich bekommen, ich  habe zwar gar kein Motorrad dazu, aber irgendwomit muss man ja anfangen. Die Verhandlungen über die gute komplette Maschine wogen hin und her – am Ende hängt er zu sehr dran und möchte dann doch nicht mehr verkaufen. Aber wenn, ja wenn er sie irgendwann einmal abgeben sollte, so würde er mir Bescheid geben. Ok, das kann ein Liebhaber nur zu gut verstehen. Auf das belgische Fragment bietet außer mir niemand – 400,- € und ich habe ein Motorrad für den Zylinder. Gut dass ich in England erst einmal nicht weiter gegangen war – da meldet sich der Ossa Besitzer ohne Zylinder, dafür noch mit einem schönen Motorrad : „Weißt Du, sagte er, mein Nachwuchs kostet gerade verdammt viel Geld. Weißt Du, was Windeln kosten? Also gut, Du kannst sie haben – aber ich bekomme noch ein Paket Taschentücher dazu, um die Tränen zu trocknen.˝ Ich lege auch noch ein großes Paket Pampers drauf – und damit hab‘ ich nun schon 2 Ossa und einen kompletten Zylinder für schlechte Zeiten. Freitagnachmittag direkt nach der Arbeit mit dem Anhänger nach Belgien und die erste Maschine abgeholt – ja, da ist wirklich noch Arbeit dran. Dann aber ist sie irgendwann die vielleicht schönste Enduro, die je gebaut wurde.

Die OSSA 250 SDR wurde 1973 in einer Auflage von 3000 Stk. gebaut und hatte im Film „Zwei wie Pech und Schwefel“ mit Terrence Hill als Fahrer einen großen Auftritt.

 

Die Six Days Replika wurde nach dem Sieg des Deutsch-Kanadiers Helmut Clasen 1971 bei den Six Days auf der Isle of Man mit einer von ihm stark modifizierten OSSA in diesem Sondermodel 1973 angeboten.

Nach Hause, ausgeladen und am nächsten Morgen sofort weiter Richtung Leipzig in die entgegengesetzte Richtung und den Zylinder mit dem Reservemotorrad (oder muss ich das anders herum sehen?) persönlich abgeholt . Ein großes Paket Taschentücher und die Windeln in der gerade aktuellen Größe wechseln den Besitzer.

 

Das ist zumindest der einzige mir bekannte Fall, bei dem Windeln Teil des Kaufpreises für ein einwandfrei funktionierendes Motorrad waren. Das OSSA -.Virus bricht komplett aus, ich kann es spüren!
Mittlerweile habe ich Kontakt mit Helmut Clasen in Canada aufgenommen,, mittlerweile 80 Jahre alt und noch immer auf Geländemaschinen unterwegs, um eine Anomalie im Rahmenbau zu klären. Aber sein Original hatte den Heckrahmen völlig symmetrisch und ich habe das bei den spanischen Spezialisten klären können. Dazu später mehr ...!

 

Autor: Detlef Stücher, DAMC 05 © 2015

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